
Konjunkturspiegel
Wirtschaftslage
Unternehmerisch sein … mehr denn je
Die Konjunkturinstitute haben ihre Wirtschaftsprognosen nach unten angepasst. Die Schätzungen des Wachstums des Schweizer BIP (Bruttoinlandprodukt) im 2012 schwanken nun zwischen 0,5% für die pessimistischsten Vorhersagen und 1,2% für die optimistischsten Vorhersagen. Auch die Walliser Wirtschaft ist von dieser Rückgangsphase betroffen. Die Export-branchen treten auf der Stelle und die von der Frankenstärke betroffenen Branchen leiden besonders. Ausserdem lässt die schwache Nachfrage in der Eurozone befürchten, dass die Situation in den nächsten Monaten angespannt bleibt.
Zum trüben Konjunkturklima kommen noch die gesetzlichen Aspekte hinzu, die bestimmte Sektoren der Walliser Wirtschaft auf Dauer beeinflussen werden. Die Beschränkung der Zweitwohnungen beispielsweise wird negative Auswirkungen namentlich auf das Baugewerbe haben, ganz zu schweigen von den Fragezeichen in Zusammenhang mit dem Raumgestaltungsgesetz, dessen Referendum gegen diese Revision Erfolg hatte.
Die Paradigmen wechseln und erschweren die Situation durch die Ansammlung von verschiedenen äusseren Faktoren, die unsere Wirtschaft mehr oder weniger beeinflussen Gute Kapitäne erkennt man erst bei schlechtem Wetter. Wenigstens bietet das aktuelle Konjunkturumfeld die Gelegenheit, die wesentlichen Qualitäten des Chefs zu zeigen, insbesondere diejenige als Unternehmer.
Handeln, erneuern, antizipieren und etwas riskieren bilden den Alltag des Unternehmers und im aktuellen Konjunkturumfeld nehmen diese Handlungen eine andere Dimension an. Als Bank der Unternehmen par excellence unterhält die Walliser Kantonalbank (WKB) eine echte gegenseitige Beziehung mit den KMUs, welche in guten Konjunkturzeiten aktiv und in schlechten Konjunkturzeiten verstärkt wird.
Die WKB handelt als Partnerin, die ihre Bank- und Finanzkenntnisse zur Verfügung stellt. Die Kombination vom Erfolgs-willen des Unternehmens und der von der Bank angebotenen Lösungen, namentlich finanzieller Art, trägt zweifelsohne zu einem für beide Partner erfolgreichen Projekt bei. Für die WKB bedeutet unternehmerisch sein nicht nur finanzieren, sondern auch beraten, informieren, ani-mieren und austauschen – mit einem Wort: begleiten.
Gesamtwirtschaft
Die Ende 2011 eingesetzte Verlangsamung der Walliser Konjunktur hält noch immer an. So rechnet BAKBASEL im laufenden Jahr mit einem Anstieg des kantonalen BIP um 0.9 Prozent. Im gesamtschweizerischen Kontext liegt der Kanton Wallis damit genau im Durchschnitt (CH: +0.9%). Die verlangsamte Dynamik im laufenden Jahr ist vor allem auf Unsicherheiten in der Weltwirtschaft und insbesondere in der für das Wallis wichtigen Eurozone zurückzuführen. Besonders betroffen sind dabei der Walliser Tourismus sowie die meisten exportorientierten Branchen wie beispielsweise die Investitionsgüterindustrie, welche unter einem starkem Preisdruck lei-den. Als Wachstumsstütze zeigen sich 2012 die chemischpharmazeutische Industrie, der Finanzsektor sowie die unternehmensbezogenen Dienstleistungen.
Im kommenden Jahr dürfte das Walliser Wirtschaftswachstum etwas kräftiger ausfallen. BAKBASEL erwartet einen Anstieg des kantonalen BIP um rund 1.1 Prozent. Dies ist in erster Linie auf bessere Aussichten in den tourismusnahen Branchen sowie auf ein Wachstum beim sekundären Sektor zurück-zuführen, der von einer Entspannung der internationalen Konjunktur sowie erhöhter Bautätigkeit profitieren kann.
Primärsektor
Gemäss letzten vom Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlichten Zahlen liegt der Produktionswert der Schweizer Landwirtschaft im Jahr 2012 unter der 10 Milliarden Franken-Marke. Diese Schätzung entspricht einem Rückgang um rund 190 Millionen Franken (-1.9%) gegenüber dem provisorischen Ergebnis von 2011. Ausschlaggebend dafür sind Ernterückgänge im Pflanzenbau und rückläufige Preise bei Früchten, beim Gemüse und bei der Milch- und Schweineproduktion. Obwohl die Kosten vor allem aufgrund der reduzierten Abschreibungen und Vorleistungen (Güter und Dienstleistungen) zurückgehen, sagt das BFS einen Rückgang der landwirtschaftlichen Einkommen um 100 Millionen auf 2.6 Milli-arden Franken voraus.
Der Produktionswert aus der tierischen Produktion geht gegenüber 2011 um 83 Millionen Franken zurück. Seine 4.7 Milliarden Franken entsprechen 47% des Gesamtwerts der Schweizer Agrarproduktion. Der Milch-sektor generiert 2.1 Milliarden, d.h. 45% des Viehsektors. Die Milchproduktion steigt weiter an, während die Produzentenpreise erneut zurückgehen. Die Preise in der Schweine-produktion brechen um weitere 8% ein, was auf einen Angebotsüberschuss auf einem stagnierenden Markt zurückzuführen ist. Die Schlachtschweine tragen um über ein Sechstel zum Produktionswert im Viehsektor bei. Gegenteilig verläuft die Tendenz in der Geflügel- und Eierproduktion. Sie nimmt 2012 um weitere 3.3% zu und erreicht damit 10% des Wertes der tierischen Produktion.
Über 42% des Gesamtproduktionswertes der Schweizer Landwirtschaft werden im Pflanzenbau generiert. Der Wert der pflanzlichen Produktion ist gegenüber dem Vorjahr um 102 Millionen Franken gesunken. Nach den ertragreichen Ernten im Jahr 2011 geht der Produktionswert von Getreide, Zucker-rüben, Ölsaaten und Kartoffeln 2012 infolge tieferer Produktionsmengen um 6.6% zurück. Die Früchte-, Gemüse-, Trauben- und Gartenpflanzenproduktion geht aufgrund rückläufiger Mengen und sinkender Preise ebenfalls zurück (-4.2%). Besonders betroffen sind die wichtigsten Rebsorten und Frischfrüchte für den Markt. Die Futterkulturen sollten hingegen einen Wertanstieg um rund 6% verzeichnen.
Seit den 80er-Jahren haben sich die landwirtschaftlichen Dienstleistungen und Nebentätigkeiten stark entwickelt. Sie machen heute über 10% des Gesamtproduktionswerts der Schweizer Landwirtschaft aus und sind 2012 um weitere 0.9% angestiegen. Sie sind das Spiegelbild einer Spezialisierung und Rationalisierung der Produktionsprozesse. Betriebe bieten ihre Leistungen an, zum Beispiel Facharbeiten für Dritte für Saat oder Ernte und optimieren so ihre eigenen Investitionen in Maschinen auf grossen Anbauflächen. Di nichtlandwirtschaftlichen Nebentätigkeiten umfassen die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse auf dem Hof und andere Tätigkeiten wie die Haltung von Pensionspferden oder die Leistungen im Agrotourismusbereich. Die Diversifizierung der Einkommensquellen, die über die typischen landwirtschaftlichen Tätigkeiten hinausgeht, ist eine Realität der Schweizer Agrarwirtschaft geworden.
Die Bewirtschafter konnten die Produktionskosten gut beherrschen. Sie gehen um 0.7% zurück. Während der Erdölpreis weiter ansteigt und den Preis von Dünger und Treibstoff mitzieht, trägt der starke Schweizer Franken dazu bei, die Kosten anderer Produktionsmittel zu senken. Die gesunkenen Produktionskosten sind jedoch vor allem auf die gesunkenen Abschreibungen der Gebäude, Ausrüstungen und Pflanzungen (-1.4% zurückzuführen. Dieser Rückgang widerspie-gelt, wie schwierig es für die Betriebe ist, in landwirtschaftliche Infrastrukturen zu investieren. Die Vorleistungen (Güter und Dienst-leistungen) gehen aufgrund der gesunkenen Erntemengen ebenfalls zurück.
Die öffentlichen Beiträge nehmen um 0.5% zu. Diese Entwicklung widerspiegelt das Kernelement der 2008 in Kraft getretenen Agrarpolitik, welches darin besteht, einerseits die bis anhin zur Marktstützung verwendeten Finanzmittel zu reduzieren und anderseits die so freigegebenen Mittel in Form von produktionsungebundenen Direktzahlungen zuzuweisen.
Der Saldo, das heisst das Einkommen des Landwirtschaftssektors, das die Arbeit der Landwirtschaftsbetriebe entschädigt, wird für 2012 auf rund 2.6 Milliarden Franken geschätzt. Damit ist das Einkommen 3.7% tiefer als im Vorjahr. Parallel dazu geht die Umstrukturierung der Schweizer Landwirtschaft in unvermindertem Tempo weiter und die Anzahl der Arbeitsstellen in der Landwirtschaft geht weiter zurück. Dies bedeutet, dass die jährliche Entwicklung des Einkommens pro landwirtschaftliche Arbeitskrafteinheit – Angestellte und Bewirtschafter zusammen – um 1.3% abnimmt. Dieser Einkommensverlust betrifft ausschliesslich die Bewirtschafter, denn aufgrund optimierter Anstellungsbedingungen für 2012 durch die Sozialpartner ist die Tendenz der Entschädigung der Beschäftigten in der Landwirtschaft steigend.
Aussichten für die Walliser Landwirtschaft
Im Wallis hängt das Ergebnis der Landwirtschaft zu drei Vierteln vom Rebbau, den Früchten und dem Gemüse ab. Der Rest entfällt auf die Milch und den Ackerbau. Gemäss den oben angeführten Tendenzen ist für die Walliser Landwirtschaft mit einer Stabilisierung des Produktionswerts auf Vorjahres-niveau zu rechnen.
Sekundärer Sektor
Im laufenden Jahr hat der sekundäre Sektor deutlich an Dynamik verloren. Während sich 2011 ein robustes Wachstum zeigte (+2.0%), kann das verarbeitende Gewerbe 2012 nur leicht zulegen (+0.6%). Hauptgrund für die schwache Dynamik ist die weiterhin schwache Auslandsnachfrage aufgrund des starken Frankens und wirtschaftlicher Probleme in den Zielmärkten, welche gerade den stark exportorientierten Branchen wie beispiels-weise der Investitionsgüterindustrie Probleme bereitet. Die chemischpharmazeutische Industrie im Kanton Wallis hingegen trotzt den konjunkturellen Bedingungen und legt mit einem Wachstum der realen Wertschöpfung um 1.9 Prozent im Vergleich zum gesamten Sektor deutlich überdurchschnittlich zu.
Im kommenden Jahr dürfte der sekundäre Sektor wieder etwas an Schwung gewinnen. Ausschlaggebend dafür ist vor allem die Bau-wirtschaft (+1.8%), sowie die Energie- und Wasserversorgung (+1.9%). Auch die Investitionsgüterindustrie wird nach einem schwierigen Jahr 2012 voraussichtlich wieder leicht zulegen können.
Chemisch-pharmazeutische Industrie
Die chemisch-pharmazeutische Industrie zeigt sich im laufenden Jahr vergleichsweise unbeeindruckt von der eingetrübten Konjunktur. Die nominellen Warenexporte der Walliser chemisch-pharmazeutischen Industrie haben von Januar bis August 2012 im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode um gut 5 Prozent zugelegt. BAKBASEL geht nicht zuletzt aufgrund der starken Auslandsnach-frage davon aus, dass die reale Bruttowert-schöpfung in der chemisch-pharmazeutischen Industrie im laufenden Jahr um 1.9 Prozent zulegen wird. Auch für das kommende Jahr sind die Aussichten robust (+1.7%).
Investitionsgüterindustrie
Die Walliser Investitionsgüterindustrie wird 2012 voraussichtlich nicht an die hohe Wachstumsdynamik des Vorjahres anknüpfen können (+3.3%). BAKBASEL erwartet im laufenden Jahr einen Rückgang der Bruttowert-schöpfung um rund 2.4 Prozent. Dass dies nicht zuletzt auf eine schwache Konjunktur in den Absatzmärkten sowie auf die anhaltende Frankenstärke zurückzuführen ist, zeigt die Entwicklung der Exporte, welche im bisherigen Jahresverlauf nominal um mehr als 10 Prozent zurückgegangen sind. 2013 dürfte die Walliser Investitionsgüterindustrie wieder ein leichtes Wertschöpfungsplus erzielen (+0.5%). Dies kann auf eine Stabilisierung der Märkte und eine erhöhte Planbarkeit zurückgeführt werden.
Bauwirtschaft
Die Walliser Bauwirtschaft kann im laufenden Jahr auf hohem Niveau leicht zulegen (+0.3%). Das kommende Jahr gestaltet sich interessant: BAKBASEL rechnet mit einem Wachstum von 1.8 Prozent im Bausektor. Dies ist auf Vorholeffekte zurückzuführen, die sich aus der Zweitwohnungsinitiative ergeben. Wegen der starken Zunahme der Anzahl Baugesuche im laufenden Jahr wird im nächsten Jahr mit einer erhöhten Bauaktivität gerechnet. Der Ausblick ab 2014 sieht jedoch düsterer aus. Man muss aufgrund der Zweitwohnungsinitiative mit einer starken Redimensionierung des Walliser Bausektors rechnen.
Tertiärer Sektor
Der Walliser Dienstleistungssektor dürfte seine Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um rund 1 Prozent steigern können. Diese verhaltene Entwicklung ist dabei in erster Linie auf die weiterhin schwache Tourismus-nachfrage zurückzuführen. Entsprechend leidet zum einen das wichtige Gastgewerbe (-3.7%) aber auch die tourismusnahen Branchen wie beispielsweise der Verkehr oder der Detailhandel. Die Verkehrsbranchen können lediglich um 0.2 Prozent zulegen und auch die Handelsbranchen expandieren im Schweizer Vergleich um unterdurchschnittliche 0.8 Prozent. Erfreulicher zeigt sich der Finanz-sektor, welcher nach einem Nullwachstum im Jahr 2011 im laufenden Jahr um 1.5 Prozent zulegen kann.
Das Walliser Gastgewerbe dürfte im kommenden Jahr die Talsohle durchschreiten, weswegen BAKBASEL 2013 für das Gast-gewerbe ein leichtes Wertschöpfungsplus erwartet (+0.2%). Für den gesamten Dienstleistungssektor rechnen wir mit einem realen Wertschöpfungswachstum von 1.2 Prozent.
Gastgewerbe
Der Walliser Tourismussektor erlebt gegenwärtig schwierige Zeiten (2012: -3.7%). Zu schaffen macht dem Tourismus insbesondere der starke Franken. Besonders deutlich schlägt sich die verschlechterte preisliche Wettbewerbsfähigkeit bei der Nachfrage aus den traditionellen westeuropäischen Märkten nieder. Im bisherigen Jahresverlauf (Jan. bis Aug.) ist die Zahl der Hotelübernachtungen von westeuropäischen Touristen gegenüber der Vorjahresperiode um rund 14 Prozent ge-schrumpft. Diese enormen Verluste konnten nur teilweise durch Zuwächse im asiatischen Markt (+11.3%) und eine erhöhte Binnen-nachfrage (+2.4%) kompensiert werden. Die starke Binnennachfrage kann nicht zuletzt auf Werbeaktionen zurückgeführt werden. 2013 dürfte das Walliser Gastgewerbe lang-sam wieder Boden finden(+0.2%). Vor allem die stark negativen Impulse der Gäste in der Eurozone dürften sich abschwächen.
Handel
Im laufenden Jahr verläuft die Entwicklung in den Walliser Handelsbranchen im Vergleich zur gesamtschweizerischen Entwicklung leicht unterdurchschnittlich (CH: +1.1%, VS: +0.8%). Dieses schwächere Wachstum hängt zum grossen Teil mit der Situation im Tourismus zusammen. Für das kommende Jahr erwartet BAKBASEL – analog zur Stabilisierung im Tourismussektor und der generell besseren Aussichten für die gesamtschweizerische Entwicklung – eine leichte Wachstums-steigerung (+1.3%).
Nationale und internationale Rahmenbedingungen
Welt
Nach der Abschwächung der Weltkonjunktur im laufenden Jahr bleiben die Aussichten auch für 2013 fragil. Zwar haben die jüngsten Entscheide der EZB die Gefahr einer Eskalation der Eurokrise verringert, doch die in vielen Industriestaaten überbordende Staats-verschuldung stellt weiterhin ein grosses Wachstumshemmnis dar. Insbesondere in der Eurozone sind eine konsequente Sparpolitik, umfangreiche Strukturreformen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sowie eine Rekapitalisierung der angeschlagenen Banken unvermeidbar. Eine solche Krisenpolitik braucht jedoch Zeit um zu wirken. Insgesamt erwartet BAKBASEL nach dem schwierigen Jahr 2012 (+2.3%) auch 2013 nur ein verhal-tenes Wachstum des weltweiten Bruttosozial-produkts von 2.6 Prozent. Erst 2014 ist wieder mit einer wesentlich höheren Dynamik zu rechnen (+3.5%).
Schweiz
Angesichts der schwierigen aussenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist in den kommenden Quartalen nur mit einer bescheidenen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu rechnen. Dank der robusten Schweizer Binnenkonjunktur dürfte jedoch eine rezessive Entwicklung vermieden werden können. Der private Konsum profitiert dabei weiterhin von der Zuwanderung sowie der relativ robusten Arbeitsmarktlage.
Insgesamt erwartet BAKBASEL für das Jahr 2012 ein Schweizer Wirtschaftswachstum von 0.9 Prozent. Für 2013 ist mit einer leichten Beschleunigung auf 1.2 Prozent zu rechnen. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die Belastung durch die Eurokrise im Jahresverlauf 2013 allmählich in den Hintergrund tritt.




