Die Energiewende definiert den Immobilienmarkt neu
Die Energiewende ist kein theoretisches Konzept mehr! Im Wallis ist sie heute Realität. Der Kanton hat sich verpflichtet, seine CO2-Emissionen bis 2030 um 50 % zu reduzieren und bis 2050 CO₂-neutral zu werden. Von der Problematik ist in erster Linie der Immobiliensektor betroffen, der bei den täglichen Entscheidungen der Eigentümerinnen und Eigentümer, bei den Stockwerkeigentümerversammlungen und bei Projekten öffentlicher Körperschaften eine Rolle spielt.
Handlungsbedarf im Gebäudebestand
Der Gebäudesektor ist für 26 % der Treibhausgasemissionen in der Schweiz verantwortlich. Rund 900'000 Wohnungen – die Hälfte – werden mit fossilen Brennstoffen (Heizöl und Gas) beheizt. Auch im Wallis ist der Anteil nach wie vor hoch: Ein Drittel der Einfamilienhäuser wird mit Heizöl beheizt. Das Bundesamt für Statistik (BFS) schätzt, dass 60 % der Walliser Gebäude vor 1990 errichtet wurden, einer Zeit, in der Energieeffizienz noch keine Priorität war. Mit dem neuen kantonalen Energiegesetz, das am 1. Januar 2025 in Kraft getreten ist, müssen fast 40 % dieser Gebäude in den nächsten zehn Jahren saniert oder umgerüstet werden. Eine Entwicklung, die sich aufgrund der Abschaffung des Eigenmietwerts beschleunigen könnte, dessen Übergangsfrist am 1. Januar 2029 endet.
Eigentümer, Käufer und Gemeinden sehen sich mit neuen Anforderungen und Vorschriften konfrontiert. Der Immobiliensektor befindet sich somit inmitten eines tiefgreifenden Wandels! Laut einem kantonalen Bericht, der im Februar 2026 veröffentlicht wurde, sind die durch Heizungen verursachten Emissionen zwischen 2019 und 2023 bereits um 17 % gesunken. Der deutliche Rückgang beim Verbrauch fossiler Brennstoffe (-14 % bei Heizöl, -21 % bei Gas) wurde durch den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energiequellen und durch Sanierungen am bestehenden Gebäudebestand kompensiert.

Bei diesem Wandel hin zu einer nachhaltigeren Immobilienwirtschaft bleibt die lokale Bank eine wichtige Akteurin, die ihre Expertise einbringt.
Das energetische Kriterium
Diese Energiewende verändert den Wert von Immobilien. Energieeffiziente Wohnungen verkaufen sich schneller und teurer als vergleichbare, veraltete und energetisch überholte Objekte. Angesichts steigender Energiepreise achten Käufer verstärkt auf zukünftige Nebenkosten und die Qualität der Dämmung. Das GEAK-Zertifikat (kantonales Gebäudeenergiezertifikat) wird zum Standard. Energieeffizienz ist kein Detail mehr, sondern ein entscheidendes Kriterium.
Ob bei Neubauten oder Sanierungen – Eigentümerinnen und Eigentümer müssen sich mit behördlichen Auflagen auseinandersetzen. Die Formalitäten und Fragen sind mitunter langwierig und komplex. Das Beispiel der Stockwerkeigentümerschaften (STWE) spricht Bände. Soll der Heizkessel ausgetauscht, die Fassade gedämmt oder eine Solaranlage installiert werden? Die Kosten können sich auf mehrere hunderttausend Franken belaufen, und die Miteigentümerinnen und Miteigentümer haben nicht immer die gleichen Prioritäten.
Gebäudesektor
26 %
der Treibhausgasemissionen in der Schweiz stammen aus dem Bausektor.
Wallis
60 %
60 % der Walliser Gebäude vor 1990 errichtet wurden, einer Zeit, in der Energieeffizienz noch keine Priorität war.
Heizung
17 %
Zwischen 2019 und 2023 sind die durch Heizung verursachten Emissionen im Wallis um 17 % zurückgegangen.
Kundennahe Bank = Partnerin
In diesem Zusammenhang kommt der Rolle einer lokalen Bank besondere Bedeutung zu. Sie begleitet Haushalte bei ihren Überlegungen, hilft ihnen bei der Planung der Kosten, der Strukturierung der einzelnen Schritte und der Beurteilung der finanziellen Auswirkungen eines Renovierungsprojekts. Sie kennt die Gegebenheiten der Gemeinden, die Auflagen der STWE, den Ablauf von Bauvorhaben und die energiepolitischen Herausforderungen des Kantons. Sie bietet eine regionale, pragmatische Perspektive, die im Alltag der Eigentümerinnen und Eigentümer verankert ist. Eine lokale Bank ist nicht nur ein Geldgeber, sondern auch eine Partnerin.
Die Energiewende verändert die Art und Weise, wie wir wohnen, investieren und planen. Im Wallis ist Energie mehr als anderswo identitätsstiftend. Rund zwanzig Fernwärmenetze sind in den Gemeinden in Betrieb oder im Aufbau. Die Dächer werden mit Solarmodulen bedeckt; laut Angaben des Bundesamtes für Energie (BFE) sind mehr als 500 MW installiert. All dies erfordert Investitionen in Infrastruktur und Netze. Auch für Eigentümerinnen und Eigentümer sind die finanziellen Investitionen mitunter beträchtlich. Kantonale und kommunale Förderprogramme können das Budget entlasten. Bei diesem Wandel hin zu nachhaltigerem Immobilienwesen bleibt die lokale Bank eine unauffällige, aber wichtige Akteurin, die ihre Expertise und bedarfsgerechte Dienstleistungen einbringt.

Von Cyril Meury