
Market Weekly - Die Energiepreise sind erneut gestiegen
Die Energiepreise steigen wieder an - die finanziellen Hilfen der europäischen Regierungen fallen weiterhin sehr verhalten aus
Die Energiepreise sind in Europa erneut stark gestiegen, was die Sorgen um Inflation und Wachstum wieder aufleben lässt. Dennoch fallen die Entlastungspakete der europäischen Regierungen diesmal deutlich zurückhaltender aus als im Jahr 2022. Mehrere Faktoren erklären diesen Unterschied.
In den Jahren 2022 und 2023 hatten die Regierungen angesichts des durch den Krieg in der Ukraine ausgelösten Anstiegs der Gas- und Strompreise erhebliche Mittel mobilisiert. Fast 2 % des BIP wurden über zwei Jahre hinweg in der Eurozone ausgegeben, hauptsächlich in Form von allgemeinen Senkungen der Energiepreise. Das Ausmaß des Schocks hatte damals eine schnelle und umfassende Reaktion gerechtfertigt.

Zum einen haben sich die haushaltspolitischen Spielräume in der Eurozone seit 2022 erheblich verringert. Zum anderen wird der Wachstumsschock derzeit als weniger schwerwiegend eingeschätzt als der von 2022.
Warum diese Zurückhaltung?
Derzeit beläuft sich die für 2026 angekündigte Unterstützung auf kaum 0,1 % des BIP der Eurozone, was insgesamt etwa 18 Milliarden Euro entspricht. Die beiliegende Grafik verdeutlicht diese Diskrepanz: Die Balken für 2026 bleiben in allen dargestellten Ländern deutlich hinter denen für 2022/23 zurück. Frankreich bleibt unter 0,1 %. Deutschland und Italien zeigen zwar deutlichere Massnahmen, diese stehen jedoch in keinem Verhältnis zu ihren früheren Ausgaben. In der Schweiz wurden keine ausserordentlichen Massnahmen beschlossen.
Zwei Hauptgründe erklären diese Zurückhaltung. Zum einen haben sich die haushaltspolitischen Spielräume in der Eurozone seit 2022 erheblich verringert – die Staatsverschuldung ist gestiegen und die Defizite haben sich in den meisten europäischen Ländern ausgeweitet. Zum anderen wird der Wachstumsschock derzeit als weniger schwerwiegend eingeschätzt als der von 2022. Die beschlossenen Maßnahmen sind zudem gezielter: Es handelt sich hauptsächlich um Senkungen der Kraftstoffsteuern und nicht um allgemeine Energiesubventionen.
Auf makroökonomischer Ebene dürften die Auswirkungen dieser Maßnahmen sowohl auf das Wachstum als auch auf die Inflation gering bleiben. Senkungen der Kraftstoffsteuern, wie sie in Deutschland geplant sind, könnten jedoch dazu beitragen, den Anstieg der Verbraucherpreise in den Ländern, die sie umsetzen, leicht zu begrenzen.

Von Marco Venetz