
Market Weekly - Die USA unter wirtschaftlichem Druck
Washington will entlasten, die Fed muss bremsen
Die US-Wirtschaft steht wenige Wochen vor den Zwischenwahlen in einem schwierigen Spannungsfeld. Die Inflation ist im September von 3,4 auf 3,7% gestiegen, während auch die Kerninflation auf 2,6% anzog. Gleichzeitig hat die amerikanische Zentralbank, die Federal Reserve, ihren Leitzins im September bereits auf 3,75 bis 4,0% angehoben. Damit ist der Kampf gegen die Inflation wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt.
Für viele US Haushalte bleibt gleichzeitig die Kaufkraft unter Druck. Höhere Energie- und Lebenshaltungskosten belasten insbesondere einkommensschwächere Verbraucher, während die realen Lohnzuwächse zuletzt nachgelassen haben. Kurz vor den Zwischenwahlen von Anfang November erhöht das den politischen Druck, Haushalte zu entlasten. Genau in diesem Umfeld entstehen Vorschläge wie Donald Trumps angekündigte 5’000-Dollar-«Dividende» für erwachsene US-Bürger im Falle republikanischer Mehrheiten im Kongress.
Gegensätzliche politische Ansätze
Das einzelne Wahlversprechen ist dabei weniger entscheidend als die grundsätzliche Richtung. Zusätzliche Transfers, Steuersenkungen oder andere Entlastungsmassnahmen können kurzfristig Konsum und Wachstum stützen. Gleichzeitig könnten sie aber die Nachfrage in einer Wirtschaft erhöhen, in der der Preisdruck noch nicht vollständig unter Kontrolle ist. Fiskalpolitik und Geldpolitik würden dann in unterschiedliche Richtungen wirken.

Während die Notenbank versucht, die Nachfrage abzukühlen, könnte eine expansive Fiskalpolitik einen Teil dieser Wirkung wieder ausgleichen.
Für die Fed würde das die Aufgabe schwieriger machen. Nach den jüngsten Inflationsdaten haben die Märkte die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen wieder höher eingeschätzt. Während die Notenbank versucht, die Nachfrage abzukühlen, könnte eine expansive Fiskalpolitik einen Teil dieser Wirkung wieder ausgleichen. Je stärker Washington die Wirtschaft stimuliert, desto länger könnten die Zinsen auf einem hohen Niveau bleiben.
Mit Spannung erwartete Wahlen
Gleichzeitig setzt auch der Anleihenmarkt Grenzen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt derzeit bei rund 5%, nachdem sie in diesem Monat zeitweise noch höher gestiegen war. Parallel dazu erreichte das US-Haushaltsdefizit im Fiskaljahr 2026 rund 2 Bio. USD. Höhere Zinsen verteuern damit nicht nur Hypotheken und Unternehmenskredite, sondern zunehmend auch die Finanzierung des Staates selbst.
Für die Märkte werden die Midterms deshalb auch zu einer wirtschaftspolitischen Richtungsfrage. Entscheidend ist weniger ein einzelner Vorschlag als die Frage, ob Washington nach der Wahl stärker stimuliert, während die Fed weiter bremst. Die Entwicklung von Inflation, Fiskalpolitik und Treasury-Renditen dürfte damit eng miteinander verbunden bleiben.
Von Samuel Studer