
Wirtschaft und Finanzen: Was bringt uns das Jahr 2026?
Weltwirtschaft und Finanzmärkte 2026 - unser Kompass für das Jahr
Das makroökonomische Umfeld nähert sich dem Jahr 2026 in einem Kontext der schrittweisen Normalisierung. Wir gehen davon aus, dass das konjunkturelle Umfeld ähnlich wie 2024-25 weiterhin günstig bleibt. Das weltweite Wachstum dürfte zwar leicht zurückgehen, aber mit einer Wachstumsrate von rund 3 % weiterhin robust bleiben. Auch wenn das Rezessionsrisiko deutlich zurückgegangen ist, bleibt der Konjunkturzyklus je nach Region uneinheitlich.
Die Wirtschaft hat den Schock gut verkraftet
Die Dynamik in den USA bleibt solide, gestützt durch Investitionen, Innovationen und eine weiterhin expansive Fiskalpolitik. In Europa verbessert sich der Ausblick allmählich, getragen von der Kreditvergabe, öffentlichen Investitionsplänen und einem weniger restriktiven Finanzumfeld. Die Schweiz hingegen sieht sich mit einem resilienten Wachstum konfrontiert, das durch die anhaltende Stärke des Schweizer Frankens beeinträchtigt wird, profitiert jedoch von einer niedrigen Inflation und sehr akkommodierenden geldpolitischen Bedingungen.
In einem durch neue Handelsmassnahmen neu gestalteten Umfeld – nach einer deutlichen Erhöhung der Zölle im April 2025 – hat die Weltwirtschaft diesen Schock soweit verkraftet und passt sich an eine neue Landschaft an, die durch zunehmenden Protektionismus und Fragmentierung gekennzeichnet ist.

Die globale Infl ation dürfte weiter zurückgehen, doch in manchen Ländern wird sie über dem Zielwert bleiben.
Die weltweite Inflation dürfte weiter zurückgehen, bleibt aber in einigen Ländern über dem Zielwert. Nach mehreren Jahren restriktiver Geldpolitik haben die wichtigsten Zentralbanken 2024-25 eine Lockerung eingeleitet, die sich 2026 fortsetzen dürfte, allerdings in gemässigter Form. In den Vereinigten Staaten beobachtet die Federal Reserve weiterhin aufmerksam die Inflation, die sich langsamer als erwartet normalisiert, während die EZB in der Eurozone über einen grösseren Spielraum verfügt, um die Konjunktur zu stützen, da sich die Inflation dem Zielniveau nähert.
Einige Risiken
Was die Risiken für unser Szenario angeht, könnten eine anhaltende Unsicherheit und eine Verschärfung der protektionistischen Massnahmen das Wachstum weiter bremsen. Die Anfälligkeit der öffentlichen Finanzen in einigen Ländern der Eurozone, aber auch in den USA könnte sich auf die steigenden Kreditkosten und die zunehmenden Risiken bei der Refinanzierung von Staatsschulden auswirken. Ebenso könnte eine plötzliche Neubewertung von Technologiewerten die makrofinanzielle Stabilität gefährden. Der Druck auf die Unabhängigkeit grundlegender Wirtschaftsinstitutionen könnte wirtschaftliche Entscheidungen beeinträchtigen.
Die schrittweise Normalisierung der Geldpolitik und ein moderateres globales Wachstum werden die Entwicklung der Märkte in den kommenden Monaten weiterhin prägen.
Das Jahr 2026 beginnt somit mit einem weniger inflationären und insgesamt ausgewogeneren Umfeld, das jedoch weiterhin von politischen und monetären Unsicherheiten geprägt ist. Die schrittweise Normalisierung der Geldpolitik und ein moderateres globales Wachstum werden die Entwicklung der Märkte in den kommenden Monaten weiterhin prägen.
Expertise der WKB in den Medien
Gero Jung ist verantwortlich für die Anlagestrategie der Walliser Kantonalbank (WKB). Am 5. Januar gab der renommierte Finanz- und Wirtschaftsexperte dem «Walliser Boten» ein langes Interview. Darin teilt er seinen Ausblick 2026 auf die Schweizer und Walliser Wirtschaft. Hier eine kurze Zusammenfassung. Das vollständige Interview finden Sie hier.
Allgemeine Wirtschaftsaussichten
- Die Inflation in der Schweiz liegt dank des starken Frankens und sinkender Importpreise nahe Null. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) prognostiziert für 2026 eine Inflation von 0,3 % und für 2027 von 0,6 %. Eine Rückkehr zu Negativzinsen hält der Analyst für unwahrscheinlich. Hypothekarkreditnehmer könnten von einem Niedrigzinsumfeld profitieren, in dem der Saron weiterhin attraktiv bleibt.
- Die SNB rechnet für 2026 mit einem Wachstum des Schweizer Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 1 %. Insgesamt dürfte die Arbeitslosenquote steigen (im Wallis werden 3 % erwartet), auch wenn sie weiterhin unter dem Niveau anderer Länder wie den Vereinigten Staaten (4,6 %) liegen wird.
- Ein Anstieg der Löhne um etwas mehr als 1 % wird erwartet, was die Kaufkraft und den Konsum der Schweizer Haushalte stützen wird.
Fokus auf das Wallis
Gero Jung zeigt sich optimistisch für die Walliser Wirtschaft, die einzigartige Vorteile vorzuweisen hat. Dank der Pharmaexporte ist sie weniger von den US-Zöllen betroffen. Ihre Struktur, die von KMU dominiert wird, macht sie zudem weniger anfällig für globale Ereignisse. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Wallis eine Rezession durchlebt wie dies einer Studie der Universität Lausanne zu entnehmen ist, ist stark gesunken.
Gemäss Gero Jung verfügt unser Kanton über eine hohe Lebensqualität, eine ausgezeichnete Infrastruktur und ein grosses Potenzial, insbesondere mit der Niederlassung der EPFL. Bildung und Bürokratieabbau sind langfristig wichtige Hebel für Verbesserungen.
Investitionen
In einem Niedrigzinsumfeld bleiben Aktien interessant, während Gold, Immobilien und alternative Anlagen zur Diversifizierung von Portfolios empfohlen werden. Der Artikel befasst sich auch mit dem Thema künstliche Intelligenz (KI) und deren Auswirkungen auf die Beschäftigung.
BC
Von Gero Jung