03 August 2026
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Market Weekly - China beschleunigt den Wettlauf um KI

Gian-Simone Soltermann Von Gian-Simone Soltermann
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Der Wettbewerb im Bereich der künstlichen Intelligenz kommt aus China

Der Wettbewerb um künstliche Intelligenz wurde lange vor allem als Rennen um die leistungsfähigsten Modelle, die besten Chips und die grössten Rechenzentren verstanden. In diesem Rennen galten die USA klar als führend. Doch China greift inzwischen auf einer anderen Ebene an: nicht nur über technologische Fortschritte, sondern über deutlich tiefere Nutzungskosten und breiter verfügbare Modelle.
 

Günstigere Modelle

Diese Entwicklung zeigt sich in mehreren jüngsten Beispielen. Laut der ‘Financial Times’ hat das chinesische Unternehmen Moonshot AI mit Kimi K3 ein Modell veröffentlicht, das in Teilen mit führenden Angeboten amerikanischer Anbieter wie OpenAI oder Anthropic verglichen wird. Gleichzeitig gewinnen Modelle von DeepSeek, Z.ai oder Alibaba an Bedeutung. Viele davon sind sogenannte Open-Weight-Modelle. Sie können heruntergeladen, auf eigener Infrastruktur betrieben und für bestimmte Anwendungen angepasst werden. Damit stellen sie das geschlossene Modell vieler amerikanischer Anbieter zunehmend infrage.

Der Angriff erfolgt vor allem über den Preis. Entscheidend ist dabei der Preis pro Token. Ein Token ist vereinfacht ein Text- oder Datenbaustein, den ein KI-Modell verarbeitet. Je stärker Unternehmen KI im Kundenservice, in der Softwareentwicklung, in der internen Suche oder in der Datenanalyse einsetzen, desto wichtiger werden diese Kosten. Die Financial Times verweist auf OpenRouter-Daten, wonach chinesische Modelle ihre amerikanischen Konkurrenten bei der wöchentlichen Token-Nutzung in diesem Jahr bereits überholt haben. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass mehrere führende chinesische Modelle pro Million Output-Tokens deutlich günstiger sind als proprietäre US-Modelle.

Dennoch zeigt sich: China ist im KI-Wettlauf nicht mehr nur Verfolger.

Praktikant Asset Management & Advisory, Sitten, WKB
Ambivalente Entwicklung an den Märkten

Für Unternehmen verändert sich dadurch die Kalkulation. Nicht jede Aufgabe verlangt das beste verfügbare Modell. Oft reicht ein günstigeres Modell aus, während die teuersten Systeme nur für besonders komplexe Anwendungen genutzt werden. Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung für die US-Anbieter. Wenn chinesische Modelle für viele Alltagsaufgaben gut genug und wesentlich günstiger sind, geraten die hohen Preise amerikanischer Anbieter stärker unter Druck.

Für die Märkte ist diese Entwicklung ambivalent. Einerseits kann billigere KI die Verbreitung der Technologie beschleunigen und die Nachfrage nach Infrastruktur, Rechenleistung und Anwendungen weiter stützen. Andererseits trifft der chinesische Preiswettbewerb einen empfindlichen Punkt: Die hohen Bewertungen vieler westlicher KI-Gewinner beruhen auf der Erwartung, dass künstliche Intelligenz langfristig hohe Margen ermöglicht. Wenn KI-Leistung pro Token schneller günstiger wird, als erwartet, könnte ein Teil dieser Margenerwartungen unter Druck geraten.
 

Ein klarer Trend

Die USA bleiben bei den komplexesten Aufgaben weiterhin führend. Chinesische Anbieter stehen zudem vor Hürden wie begrenztem Zugang zu modernsten Chips, geopolitischen Risiken, Datenschutzfragen und regulatorischer Unsicherheit. Dennoch zeigt sich: China ist im KI-Wettlauf nicht mehr nur Verfolger. Es greift dort an, wo Unternehmen besonders sensibel reagieren – bei den Kosten. Damit verschiebt sich der Wettbewerb von der reinen Modellleistung hin zu Effizienz, Skalierbarkeit und Preis.