
Market Weekly - Die Märkte im Spannungsfeld zweier Kräfte
KI und globale Unsicherheit: die zwei Gesichter des Jahres 2026
Die beiden grossen Themen, die die Finanzmärkte das ganze Jahr über geprägt haben – nämlich die geopolitischen Spannungen rund um den Iran und die Künstliche Intelligenz –, haben in diesem Monat gemeinsam erhebliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte gehabt. Die erneute Blockade der Strasse von Hormus, einer strategisch wichtigen Meeresenge, macht deutlich, dass das reibungslose Funktionieren der Weltwirtschaft von einigen wenigen Engpässen abhängt. Was die Künstliche Intelligenz (KI) betrifft, so stellt sich nicht die Frage, ob KI eine transformative Technologie ist: Wir wissen, dass sie es ist. Künstliche Intelligenz eröffnet auf makroökonomischer Ebene Perspektiven für ein stärkeres Wachstum. In einem optimistischen Szenario würde das zusätzliche Wirtschaftswachstum dank KI bei etwa 1 bis 2 Prozent liegen – ohne grössere Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und ohne Anstieg der Arbeitslosenquoten.
Massive Investitionen
Für Finanzanalysten liegt ein Schwerpunkt auf den massiven Investitionen der in diesem Sektor tätigen Unternehmen. Die Unternehmen, die die Aktienmärkte zunehmend beflügeln, sind unter dem Begriff „Hyperscaler“ bekannt, d. h. Unternehmen, die Chips und Software entwickeln. Zu dieser Unternehmenskategorie gehören sieben US-amerikanische Unternehmen (Alphabet, Amazon, Apple, IBM, Meta, Microsoft und Oracle) sowie drei chinesische Unternehmen. Insgesamt machen diese Hyperscaler-Unternehmen den Grossteil der Investitionsausgaben im Bereich der KI aus, die laut dem Internationalen Währungsfonds bis 2029 auf 2 400 Milliarden Dollar geschätzt werden.

Was passiert, wenn diese chinesischen Akteure beginnen, Produkte anzubieten, die qualitativ mit den amerikanischen Pendants vergleichbar sind, jedoch zu einem Spottpreis?
Gibt es Risiken?
Ein grosses Risiko für Analysten auf kurze Sicht besteht darin, dass die Fortschritte im Bereich der generativen KI die Eintrittsbarrieren senken und die Verbreitung von Software beschleunigen, wodurch andere Unternehmen – die kostengünstiger aus Asien operieren – die etablierten Akteure verdrängen können. Im Jahr 2025 beliefen sich die weltweiten privaten Investitionen in KI in den USA auf 285 Milliarden Dollar, während der entsprechende Wert in China bei rund 12 Milliarden Dollar lag – also nur 4 % der US-Investitionen. Was passiert, wenn diese chinesischen Akteure beginnen, Produkte anzubieten, die qualitativ mit den amerikanischen Pendants vergleichbar sind, jedoch zu einem Spottpreis?
Gleichzeitig überprüfen Analysten die Bewertungen der gesamten technologischen Wertschöpfungskette und hinterfragen das Ausmass der angekündigten Investitionen angesichts noch ungewisser Rentabilitätsaussichten.
Ein Beispiel, welches diesen Punkt verdeutlicht, findet sich in den Ankündigungen der betroffenen Unternehmen, wie etwa bei der Vorstellung der Ergebnisse des zweiten Quartals durch den US-amerikanischen Giganten Google Mitte Juli. Das US-Unternehmen wird seine Investitionen in Künstliche Intelligenz verstärken und kündigt für dieses Jahr Investitionen in Höhe von bis zu 205 Milliarden Dollar an. Und es kündigt bereits jetzt an, dass es 2027 noch mehr sein werden!

Von Gero Jung