29 Juni 2026
Anlagen

Market Weekly - Fußball als Wachstumsmotor?

Marco Venetz Von Marco Venetz
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Fussball Weltmeisterschaft: Welche tatsächlichen Auswirkungen hat sie auf das Wachstum?

Die FIFA-Weltmeisterschaft ist das meistgesehene Sportereignis der Welt – noch vor den Olympischen Spielen, dem Super Bowl oder der Cricket-Weltmeisterschaft. Mehr als 5 Milliarden Menschen verfolgten mindestens ein Spiel der Weltmeisterschaft 2022, und 1,5 Milliarden sahen sich das Finale zwischen Argentinien und Frankreich an. Die Weltmeisterschaft 2026 mit noch mehr Mannschaften, Stadien und Spielen dürfte diesen Zuschauerrekord noch einmal übertreffen.
 

Bescheidene Auswirkungen

Doch wie sieht es mit den tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen aus? Die FIFA geht von einem Anstieg des US-amerikanischen BIP um 17,2 Milliarden Dollar aus, was etwa 0,2 % des vierteljährlichen BIP entspricht. Wissenschaftliche Studien fallen jedoch differenzierter aus: Die wirtschaftlichen Auswirkungen bleiben in der Regel bescheiden und liegen häufig deutlich unter den Schätzungen. Dafür gibt es mehrere Gründe. 

Die Mehrheit der Zuschauer verfolgt das Geschehen von zu Hause aus, ohne in das Gastgeberland zu reisen. Das Ereignis verdrängt zudem tendenziell andere Arten von Ausgaben – denn viele Touristen meiden die Austragungsorte aufgrund der hohen Preise. Schließlich lassen die Auswirkungen nach Ende des Turniers schnell nach, und die Konsumgewohnheiten kehren auf das Niveau vor dem Wettbewerb zurück. Insgesamt sind die Auswirkungen auf das reale BIP des Gastgeberlandes leicht positiv, aber statistisch kaum signifikant und langfristig nahezu null.

Paradoxerweise profitiert das Siegerland stärker als das Gastgeberland von der Veranstaltung. Im Durchschnitt übertreffen die Aktien des Siegerlandes den Weltmarkt im ersten Monat nach dem Sieg um 3,5 %, auch wenn dieser Effekt nach drei Monaten deutlich nachlässt.

Paradoxerweise profitiert das Siegerland stärker als das Gastgeberland von der Veranstaltung.

Berater Vermögensverwaltung, Leiter Geschäftsstelle Zermatt, WKB
Die Schweiz - ein Sonderfall

Für die Schweiz sieht das Bild anders aus und verdient besondere Beachtung. Das Land beherbergt den Sitz der FIFA und verzeichnet alle vier Jahre hohe Einnahmen aus dem Verkauf von Fernsehrechten und Markenlizenzen. Nach Berechnungen der KOF, des Schweizer Konjunkturinstituts, entspricht dies in Jahren mit großen Sportveranstaltungen etwa 0,4 Prozentpunkten zusätzlichem BIP – eine beachtliche Zahl für eine Volkswirtschaft dieser Größe. Im darauffolgenden Jahr verschwindet dieser Effekt vollständig, was zu einer Differenz von etwa 0,8 % des BIP zwischen einem WM-Jahr und dem darauf folgenden Jahr führt. Aus diesem Grund veröffentlicht die KOF seit 2017 zwei getrennte Reihen: ein BIP einschließlich der Sportveranstaltungen und ein BIP ohne diese, wobei Letzteres ein getreueres Bild des tatsächlichen Konjunkturzyklus vermittelt.