20 Juli 2026
Anlagen

Market Weekly - Gold glänzt nicht immer

Timon Leiggener Von Timon Leiggener
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Der Goldpreis ist gefallen

Gold gilt seit Jahrhunderten als sicherer Hafen. Doch die jüngste Entwicklung zeigt, dass auch ein vermeintlich defensiver Vermögenswert stark schwanken kann. Zuletzt fiel der Goldpreis auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten und lag zeitweise bei rund 4’000 Dollar je Feinunze. Seit dem Beginn des Kriegs im Nahen Osten hat der Goldwert damit mehr als 20 % verloren.
 

Gold zahlt keine Zinsen

Auf den ersten Blick wirkt diese Entwicklung überraschend. Geopolitische Unsicherheit, Krieg und Zweifel an der Stabilität des internationalen Finanzsystems sprechen normalerweise für Gold. Tatsächlich bleibt die langfristige Nachfrage intakt: Zentralbanken bauen ihre Goldbestände seit Jahren aus. Mehrere Notenbanken prüfen zudem, wo sie ihre Bestände lagern und verlagern Gold teilweise aus London oder New York zurück ins Inland.

Entscheidend ist jedoch, dass Gold keine Zinsen zahlt. Wenn die Erwartungen an US-Zinssenkungen zurückgehen oder sogar neue Zinserhöhungen eingepreist werden, steigen die Opportunitätskosten des Goldbesitzes. Genau das belastete den Preis zuletzt. Hinzu kamen Gewinnmitnahmen spekulativer Anleger sowie Abflüsse aus goldgedeckten ETFs, also börsengehandelten Fonds, die den Goldpreis möglichst genau abbilden. Laut World Gold Council verzeichneten Gold-ETFs von März bis Mai Nettoabflüsse von 55 Tonnen, nachdem es zuvor neun Monate lang Zuflüsse gegeben hatte.

Insgesamt zeigt sich: Gold bleibt ein Vertrauensanker, aber auch Vertrauen hat einen Marktpreis, und dieser kann kurzfristig deutlich schwanken.

Berater Vermögensverwaltung, Brig, WKB
Ein Instrument zur Diversifizierung

Der Rückgang bedeutet daher nicht, dass Gold seine Rolle verloren hat. Vielmehr zeigt er, dass Gold von zwei Kräften gleichzeitig beeinflusst wird: kurzfristig von Zinsen, Liquidität und Anlegerpositionierung, langfristig von geopolitischer Unsicherheit, Zentralbankkäufen und dem Wunsch nach Diversifikation. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil ein sicherer Hafen nicht automatisch eine stabile Kursentwicklung garantiert.

Für Schweizer Anleger ergibt sich daraus ein nüchternes Bild. Gold kann ein Portfolio in Phasen politischer und monetärer Unsicherheit ergänzen, ersetzt aber weder Aktien noch Anleihen. Es ist weniger eine klassische Renditeanlage als ein Instrument zur Diversifikation. Insgesamt zeigt sich: Gold bleibt ein Vertrauensanker, aber auch Vertrauen hat einen Marktpreis, und dieser kann kurzfristig deutlich schwanken.