23 Februar 2026
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Market Weekly - KI mischt die Karten neu

Roger Petrig Von Roger Petrig
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KI setzt Märkte unter Druck

Die Einführung des neuen Modells Claude Opus 4.6 durch Anthropic Ende Januar, das als das fortschrittlichste Modell für Unternehmen präsentiert wurde, hat die Befürchtungen rund um den Software-Sektor wieder angefacht. Die Erweiterung der Fähigkeiten des Agenten Claude Cowork, der Aufgaben im Kundenservice, im Rechtsbereich, im Marketing oder in der Datenanalyse automatisieren kann, nährt die Vorstellung, dass generative KI einen Teil der traditionellen Software ersetzen könnte, anstatt sie nur zu ergänzen.
 

Die stärkste Korrektur seit 30 Jahren

Die Reaktion der Märkte war brutal. Der MSCI USA Software Index ist seit seinem Höchststand um fast 35 % gefallen und verzeichnet damit die stärkste Korrektur außerhalb einer Rezession seit über dreißig Jahren. Rund 2'000 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung gingen verloren, und das Gewicht des Sektors im S&P 500 sank von 12 % auf 8,4 %. Der Rückgang ist breit angelegt und betrifft sowohl grosse Kapitalisierungen («Large Caps») als auch spezialisiertere Akteure. Oracle, Intuit und mehrere asiatische IT-Unternehmen standen besonders unter Druck. 

Die Korrektur spiegelt jedoch ebenso sehr die Unsicherheit wie die Verschlechterung der Fundamentaldaten wider.

Leiter Vermögensverwaltung, Zermatt, WKB
Befürchteter Modellwechsel

Der Markt befürchtet einen Modellwechsel: Wenn Unternehmen mithilfe von KI-Agenten Aufgaben erledigen können, die zuvor von kostenpflichtigen SaaS-Lösungen ausgeführt wurden, könnte der Wert wiederkehrender Lizenzen in Frage gestellt werden. Der Aufstieg einer nutzungsabhängigen, auf Tokens basierenden Preisgestaltung nährt Fragen zur Nachhaltigkeit der bisherigen Margen. 

Die Korrektur spiegelt jedoch ebenso sehr die Unsicherheit wie die Verschlechterung der Fundamentaldaten wider. Nicht alle Unternehmen sind gleichermaßen betroffen. Einige integrieren KI bereits in ihre Angebote und könnten davon profitieren, während andere weiterhin anfälliger für Substitution sind. Die extreme technische Positionierung und der derzeitige Pessimismus deuten darauf hin, dass der Markt ohne wirkliche Unterscheidung zwischen potenziellen Gewinnern und strukturellen Verlierern verkauft.