
Market Weekly - KI trifft auf Robotik
Die Robotik findet ihr fehlendes Puzzleteil
Seit dem Durchbruch grosser Sprachmodelle wurde künstliche Intelligenz vor allem als Softwarethema verstanden. Chatbots schreiben Texte, analysieren Daten oder unterstützen Programmierer. Der nächste Schritt könnte jedoch stärker in der realen Wirtschaft stattfinden: in Fabriken, Lagern, Lieferketten und Maschinen. Genau dort trifft KI auf Robotik.
Eine Antwort auf eine historische Schwäche
Industrieroboter sind keine Zukunftsmusik mehr. Für 2025 rechnet die International Federation of Robotics weltweit mit rund 575'000 neu installierten Industrierobotern, etwa 6% mehr als im Vorjahr. Damit würde die Zahl der jährlichen Installationen deutlich über dem Niveau von vor zehn Jahren liegen. Besonders Asien und China bleiben dabei die wichtigsten Wachstumstreiber.
Der entscheidende Punkt ist, dass KI eine alte Schwäche der Robotik adressiert. Klassische Roboter sind stark bei klar definierten, wiederholbaren Aufgaben. Sie werden jedoch weniger effizient, sobald sich Produkte, Umgebungen oder Prozesse verändern. Neue KI-Systeme können Maschinen helfen, ihre Umgebung über Kameras und Sensoren besser zu verstehen, Fehler schneller zu erkennen und sich flexibler an neue Aufgaben anzupassen.
Für Unternehmen kann das mehrere Effekte haben. Produktionslinien lassen sich schneller umstellen, Qualitätskontrollen werden präziser, und in Lagerhäusern können autonome Systeme Wege und Abläufe laufend optimieren. Gleichzeitig könnte Robotik helfen, strukturelle Probleme abzufedern: alternde Belegschaften, Fachkräftemangel, steigende Löhne und den Wunsch vieler Staaten, kritische Produktion näher an den Heimatmarkt zurückzuholen.

Die Robotik zeigt damit, wie KI langsam von der digitalen in die physische Wirtschaft wandert.
Vorsicht ist angebracht
Für die Märkte ist das Thema deshalb mehr als eine neue KI-Fantasie. Nach dem Boom bei Halbleitern, Cloud-Infrastruktur und grossen Sprachmodellen suchen Investoren nach der nächsten Anwendungsebene. Robotik verbindet mehrere Bereiche: Chips, Sensoren, Industrieautomation, Software, Logistik und Maschinenbau. Die grössten Chancen liegen dabei nicht zwingend bei humanoiden Robotern, sondern eher bei spezialisierten Systemen, die konkrete industrielle Probleme lösen.
Gleichzeitig bleibt Vorsicht angebracht. Ein Teil des aktuellen Interesses, insbesondere bei humanoiden Robotern in China, scheint stark von staatlicher Förderung, Trainingszentren und hohen Erwartungen geprägt zu sein. Entscheidend wird sein, ob daraus echte kommerzielle Nachfrage entsteht. KI macht Roboter nicht automatisch profitabel. Sie kann aber die Hürde senken, Robotik breiter einzusetzen.
Die Schweiz könnte davon profitieren
Für die Schweiz ist diese Entwicklung relevant. Die Industrie ist stark in Präzision, Maschinenbau, Medizintechnik und hochwertigen Nischen. Wenn KI die nächste Automatisierungswelle auslöst, könnten Schweizer Unternehmen sowohl als Anwender als auch als Zulieferer profitieren. Voraussetzung bleibt jedoch, dass Innovation, Fachkräfte und Investitionen Schritt halten. Die Robotik zeigt damit, wie KI langsam von der digitalen in die physische Wirtschaft wandert.
Von Marco Venetz