
Market Weekly - Schulden sind nicht mehr kostenlos
Staatsschulden zählen wieder – und werden teurer
Lange wirkten hohe Staatsschulden wie ein Problem für später. Solange Zinsen sehr tief waren, konnten Regierungen zusätzliche Ausgaben relativ günstig finanzieren. Die globale Pandemie, die Energiekrise sowie geopolitische Spannungen haben diese Entwicklung weiter beschleunigt. Doch das Umfeld hat sich verändert: Schulden sind nicht mehr kostenlos.
Die Zinskosten steigen
Gemäss Schätzungen des IMF sind die Bruttostaatsschulden fortgeschrittener Volkswirtschaften von 97 Prozent des BIP im Jahr 2010 auf voraussichtlich 111 Prozent in diesem Jahr gestiegen. In Schwellenländern wird ein Anstieg von 37 auf 77 Prozent erwartet. Entscheidend ist dabei nicht nur die Höhe der Verschuldung, sondern auch der Preis ihrer Finanzierung. Wenn alte Anleihen mit tiefen Coupons auslaufen und durch neue Anleihen zu höheren Renditen ersetzt werden, steigen die Zinskosten schrittweise.
Damit rücken die Anleihemärkte wieder stärker ins Zentrum. Investoren hinterfragen nicht nur, ob Staaten ihre Schulden bedienen können. Sie fragen auch, ob Regierungen politisch bereit sind, Defizite zu begrenzen. Genau hier liegt die Herausforderung. Viele Ausgabenbereiche sind kaum rückläufig: Verteidigung, Gesundheit, Renten, Infrastruktur und Klimaanpassung. Gleichzeitig erschweren geopolitische Spannungen und innenpolitische Polarisierung eine glaubwürdige Konsolidierung.

Die Tiefzinsphase ist vorbei.
Das Umfeld hat sich verändert
Auch die Entwicklung der 10-jàhrigen Staatsanleiherendite zeigt, wie stark sich das Umfeld verändert hat. Sie galten als zentrale Referenz für langfristige Finanzierungskosten und beeinflussen nicht nur Staatsbudgets, sondern auch Hypotheken, Unternehmenskredite und Aktienbewertungen. Seit 2020 sind die Renditen in den USA, Deutschland und Grossbritannien deutlich gestiegen. Die Schweiz bleibt im internationalen Vergleich tiefer, doch auch hier ist die Tiefzinsphase vorbei.
Eine unmittelbare Schuldenkrise bedeutet das nicht. Grosse Volkswirtschaften verfügen weiterhin über tiefe Kapitalmärkte und starke Institutionen. Doch der Spielraum wird kleiner. Staaten müssen stärker erklären, wofür sie sich verschulden. Investitionen in Produktivität, Energieversorgung oder Infrastruktur werden von Märkten anders beurteilt als dauerhafte Ausgaben ohne klares Wachstumspotenzial.
Die Schweiz ist nicht isoliert
Für die Schweiz ist das Bild differenziert. Die öffentliche Verschuldung bleibt im internationalen Vergleich tief, und der Franken profitiert häufig von seiner Rolle als sicherer Hafen. Dennoch ist die Schweiz nicht isoliert. Höhere globale Renditen, fiskalische Spannungen in grossen Volkswirtschaften und volatile Kapitalflüsse wirken auch auf Schweizer Anlegerportfolios. Staatsschulden zählen deshalb wieder - nicht, weil sie neu wären, sondern weil ihre Finanzierung wieder teuer geworden ist.