
Market Weekly - Schwellenländer zurück im Fokus
Der schwächere Dollar hat ein Fenster geöffnet
Nach Jahren, in denen US-Aktien und der Dollar die Kapitalmärkte dominierten, rücken Schwellenländer wieder stärker in den Blick. Aktien, Anleihen und Währungen aus Emerging Markets sind stark ins Jahr gestartet. Der wichtigste Auslöser ist der schwächere Dollar, der Investoren wieder mehr Spielraum gibt, Kapital ausserhalb der USA zu diverzifizieren.
Wie lässt sich dieser Anstieg erklären?
Diese Entwicklung ist ökonomisch relevant, weil der Dollar für Schwellenländer eine zentrale Rolle spielt. Wenn er fällt, sinkt der Druck auf Länder und Unternehmen mit Dollar-Verbindlichkeiten. Gleichzeitig werden lokale Währungen attraktiver, Importkosten weniger belastend und Anlagen in Lokalwährung interessanter. Besonders Emerging-Market-Anleihen in lokaler Währung profitieren davon, wenn hohe nominale Zinsen mit sinkender Inflation zusammenfallen.
Entscheidend ist jedoch, dass die Rally nicht nur auf Währungseffekten beruht. Viele Schwellenländer haben in den vergangenen Jahren ihre Geldpolitik früher und entschlossener gestrafft als manche Industrieländer. Dadurch sind reale Renditen gestiegen und die Glaubwürdigkeit ihrer Zentralbanken hat zugenommen. Auch höhere Währungsreserven und grössere lokale Kapitalmärkte machen viele Länder heute widerstandsfähiger als in früheren Zinszyklen.

Stärkere Schwellenländer können die globale Nachfrage breiter abstützen und damit exportorientierten Branchen helfen.
Der Aufschwung bleibt anfällig
Trotzdem bleibt das Bild selektiv. Ein Teil der starken Performance kommt aus einzelnen Regionen und Sektoren: asiatische Halbleiterwerte profitieren vom KI-Zyklus, rohstoffnahe Märkte von höheren Preisen und Lateinamerika von starken Währungen. Das bedeutet aber auch, dass der Aufschwung anfällig bleibt. Sollten US-Renditen wieder deutlich steigen oder der Dollar erneut zulegen, könnte ein Teil des Rückenwinds rasch nachlassen.
Eine gute Entwicklung für die Schweiz
Für Europa und die Schweiz ist diese Entwicklung nicht nur ein entferntes Marktthema. Stärkere Schwellenländer können die globale Nachfrage breiter abstützen und damit exportorientierten Branchen helfen, etwa Industrie, Pharma, Luxusgütern oder Spezialmaschinen. Für Anleger bedeutet die Bewegung zudem, dass Diversifikation ausserhalb der USA wieder stärker diskutiert wird.
Insgesamt zeigt sich: Emerging Markets sind nicht frei von Risiken für Anleger, aber sie wirken robuster als in früheren Dollar- und Zinszyklen. Der schwächere Dollar hat ein Fenster geöffnet. Ob daraus ein nachhaltiger Trend wird, hängt davon ab, ob Wachstum, Inflation und US-Zinsen dieses Fenster offenhalten.
Von Neven Barada