27 Juli 2026
Anlagen

Market Weekly - Wenn geopolitische Entwicklungen die Märkte beeinflussen

Steve Moretti Von Steve Moretti
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Geopolitik und Finanzmärkte: Nicht jeder Krieg löst denselben Schock aus

Der Konflikt zwischen den USA und Iran hat die Energiemärkte erneut unter Druck gesetzt. Der Preis für Brent-Öl stieg zwischenzeitlich bis auf rund 100 Dollar je Barrel und legte im Juli rund 20 Prozent zu. Gleichzeitig ist der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus, durch die vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und LNG-Handels lief, erneut stark zurückgegangen. Die geopolitische Lage ist damit ernst. Umso auffälliger ist, dass die Aktienmärkte bislang vergleichsweise wenig volatil geblieben sind.
 

Der Ukraine-Krieg: Energieschock und völlige Überraschung

Der wichtigste Unterschied zu 2022 liegt in der wirtschaftlichen Übertragung. Der Ukraine-Krieg war für Europa ein direkter Energieschock. Es ging damals sehr schnell um Gasversorgung, Strompreise, Industrieproduktion, Inflation und Rezessionsängste. Der Krieg traf damit unmittelbar das wirtschaftliche Fundament Europas. 
Beim Iran-Konflikt steht bislang vor allem das Risiko höherer Ölpreise und gestörter Transportwege im Vordergrund. Solange daraus kein anhaltender und breit wirkender Angebotsschock entsteht, bleiben die Folgen für die Aktienmärkte begrenzter.

Entscheidend ist zudem der unterschiedliche Überraschungseffekt. Der russische Einmarsch in die Ukraine war 2022 ein massiver Bruch mit vielen Erwartungen. Märkte mussten Krieg in Europa, harte Sanktionen, Energieknappheit und neue Lieferkettenrisiken gleichzeitig neu einpreisen. Die Unsicherheit war entsprechend gross. Im Nahen Osten ist geopolitische Instabilität dagegen leider seit langem ein bekannter Risikofaktor. Die Märkte reagieren daher selektiver. Sie beobachten in erster Linie, ob die Energieflüsse tatsächlich längerfristig unterbrochen werden.

Märkte reagieren vor allem dann stark, wenn geopolitische Spannungen unmittelbar zu einem wirtschaftlichen Schock werden.

Börsenhändler, Sitten, WKB
Die Börsenreaktion bislang kontrolliert bleibt

Hinzu kommt das makroökonomische Umfeld. 2022 war die Inflation bereits hoch, die Lieferketten waren nach der Pandemie fragil und die Zentralbanken standen vor Zinserhöhungen. Der Ukraine-Krieg wirkte deshalb wie ein Brandbeschleuniger. Heute ist das Umfeld anders. Europa hat seine Energiequellen breiter diversifiziert, und der Markt antizipiert, dass nicht jede geopolitische Eskalation automatisch in eine globale Rezession münden muss. Das erklärt, weshalb der Ölpreis zwar angesprungen ist, die Börsenreaktion aber bislang kontrolliert bleibt.

Vor diesem Hintergrund lautet die zentrale Marktfrage nicht, ob der Konflikt gefährlich ist, sondern ob daraus ein dauerhafter Angebotsschock entsteht. Genau darin liegt auch das Risiko für Europa und die Schweiz. Sollte die Strasse von Hormus über längere Zeit beeinträchtigt bleiben, könnten Energiepreise, Importkosten und Inflationsdruck erneut steigen. 

Insgesamt zeigt sich jedoch: Märkte bewerten nicht jeden Krieg gleich. Sie reagieren vor allem dann stark, wenn geopolitische Spannungen unmittelbar zu einem wirtschaftlichen Schock werden.