16 Februar 2026
Anlagen

Market Weekly - Der Dollar bleibt dominant, aber sein Monopol bröckelt

Didier Teysseire Von Didier Teysseire
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Energiepreise und das Ende des Dollar-Monopols?

Über mehrere Jahrzehnte hinweg nahm der US Dollar eine zentrale Stellung im internationalen Währungssystem ein. Diese Position beruhte insbesondere auf einem nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen den Vereinigten Staaten und Saudi[1]Arabien geschlossenen Schlüsselabkommen: Erdöl, eine für jede wirtschaftliche Aktivität wichtige Ressource, sollte ausschließlich in Dollar verkauft werden. Im Gegenzug garantierte Washington die Sicherheit des Königreichs. Dieser Mechanismus zwang den Rest der Welt, Dollar zu halten, um Energie importieren zu können. Ein wichtiger Punkt, wodurch die amerikanische Währung dauerhaft im Zentrum der Reserven der Zentralbanken verankert wurde. 
 

Ein Bruch im Jahr 2022

Dieses Gleichgewicht wurde 2022 grundlegend in Frage gestellt. Nach dem Einmarsch in die Ukraine zeigten die westlichen Sanktionen – Einfrieren der russischen Reserven und teilweiser Ausschluss aus dem SWIFT-System – ein großes Risiko auf: Dollarreserven können aus geopolitischen Gründen eingefroren werden. Gleichzeitig begann Russland, seine Energieprodukte an China und Indien in lokalen Währungen zu verkaufen und brach damit das Monopol des Dollars bei Energietransaktionen. 

Die Finanzsanktionen haben eine Umgestaltung des globalen Währungssystems beschleunigt, deren Auswirkungen voraussichtlich nachhaltig sein könnte.

Berater Vermögensverwaltung, Visp, WKB

Angesichts dieser Entwicklung versuchen mehrere Länder, ihre Abhängigkeit vom Dollar zu verringern. Und während sich alternative Zahlungssysteme zu SWIFT entwickeln, prüfen einige langjährige Partner der Vereinigten Staaten nun Energietransaktionen außerhalb des Dollarsystems. Der Anteil des Dollars an den weltweiten Reserven ist von etwa 60 % Mitte der 2010er Jahre auf heute fast 45 % gesunken, wobei sich dieser Trend nach 2022 deutlich beschleunigt hat. Diese Entwicklung spiegelt eine neue Realität wider: Wenn Energie in mehreren Währungen bezahlt werden kann, sinkt der strukturelle Bedarf an hohen Dollarreserven.
 

Gold, eine glaubwürdige Alternative

Diese Diversifizierung kommt jedoch nur marginal den anderen großen Währungen zugute. Der Hauptnutznießer ist Gold, dessen Kauf durch die Zentralbanken seit 2022 deutlich zugenommen hat. Als greifbarer und nicht sanktionierbarer Vermögenswert etabliert es sich als glaubwürdige Alternative in einer stärker fragmentierten Währungswelt. Der Dollar bleibt dominant, aber sein Monopol bröckelt. Die Finanzsanktionen haben eine Umgestaltung des globalen Währungssystems beschleunigt, deren Auswirkungen voraussichtlich nachhaltig sein könnte.