02 Februar 2026
Anlagen

Market Weekly - Kein klares Signal für einen wirtschaftlichen Einbruch

Timon Leiggener Von Timon Leiggener
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Ein Jahresbeginn voller geopolitischer Spannungen - aber mit einer widerstandsfähigen Weltwirtschaft

Der Beginn des Jahres 2026 war für Analysten der Finanzwelt alles andere als ruhig. Zwar wurde ein turbulentes geopolitisches Umfeld weitgehend erwartet, doch nur wenige Beobachter rechneten mit einer so raschen Abfolge von Ereignissen, die die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte nachhaltig beeinflussen. Zwischen den politischen Umwälzungen in Venezuela, den wachsenden Spannungen um Grönland, der Protestwelle im Iran, dem anhaltenden Krieg in der Ukraine und den wieder aufflammenden Handelskonflikten bestätigen die ersten Wochen des Jahres den Eintritt in eine Phase stärkerer Fragmentierung. Hinzu kommt die Unsicherheit darüber, wer die Nachfolge von J. Powell, dem Präsidenten der Federal Reserve, der mächtigsten Zentralbank der Welt, antreten wird. 
 

Bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit

Diese Entwicklungen rücken geopolitische Fragen wieder in den Mittelpunkt der makroökonomischen Debatten. Eventuelle Störungen des Seeverkehrs im Roten Meer, die Gefahr neuer Handelsbarrieren und das verstärkte Engagement der Großmächte sind Zeichen für eine weniger kooperative Welt. Trotz dieses Umfelds zeigt die weltweite Wirtschaftstätigkeit eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. 

In den Vereinigten Staaten bleibt das Wachstum solide, gestützt durch Investitionen und einen weiterhin robusten Arbeitsmarkt, während die jüngsten Inflationsdaten eine allmähliche, wenn auch langsame Desinflation bestätigen. In Europa und im Grossbritannien sind die Signale gemischter, mit anhaltenden Spannungen an den Arbeitsmärkten, aber ohne größere konjunkturelle Einbrüche. China hat seine Wachstumsziele für 2025 erreicht, auch wenn sich die Dynamik zum Jahresende abgeschwächt hat. 

Die Fähigkeit der Volkswirtschaften, diese Schocks zu absorbieren und ein solides makrofinanzielles Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, wird auch in den kommenden Monaten entscheidend sein.

Berater Vermögensverwaltung, Brig, WKB
Phase der Volatilität

Die Finanzmärkte durchlaufen eine Phase der Volatilität, die diese vielfältigen Unsicherheiten widerspiegelt. Die Handelsspannungen im Zusammenhang mit Grönland belasteten kurzzeitig die Stimmung, während Edelmetalle Rekordhöhen erreichten, was das Bedürfnis nach Absicherung widerspiegelte. Gleichzeitig schwächte sich der US-Dollar stark ab, während der Schweizer Franken – einmal mehr – eine starke Währung blieb. Auf globaler Ebene zeigen sich gleichzeitig einige Schwachstellen an den Anleihemärkten, wie der deutliche Anstieg der langfristigen japanischen Renditen vor dem Hintergrund haushaltspolitischer Sorgen zeigt.
 

Die Unabhängigkeit der Zentralbanken

Schließlich stellt sich zu Beginn dieses Jahres eine wichtige Frage: die Unabhängigkeit der Zentralbanken. In den Vereinigten Staaten erinnert der zunehmende politische Druck auf die Federal Reserve daran, wie wichtig die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik für die Finanzstabilität ist. Jede Infragestellung dieser Unabhängigkeit könnte langfristige Auswirkungen auf das Vertrauen der Anleger und die Inflationserwartungen haben. 

Das Jahr 2026 beginnt somit in einem Klima geopolitischer Unsicherheit, jedoch ohne klare Anzeichen für einen wirtschaftlichen Einbruch. Die Fähigkeit der Volkswirtschaften, diese Schocks zu absorbieren und ein solides makrofinanzielles Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, wird auch in den kommenden Monaten entscheidend sein.